NOZ 27.04.2011

Begehbare Installation als Erfahrungsraum – Herwig Kemmerich präsentiert eine „Chaoskonstruktion“
Hüde.“
Ich arbeite grundsätzlich sehr gerne ortsbezogen, projekthaft. Das heißt, für mich war es spannend, hier innerhalb von vier Wochen meine begehbare Installation fertigzustellen“, sagt der Bildhauer Herwig Kemmerich aus Bremen. Im neu entstehenden Skulpturengarten der Künstlerin Gerlinde Buddrick, Hüde, hat er als Erster sein Werk vollendet, das zur „Straße der Kunst“ gehört und ab 21. Mai, 19 Uhr, bis Ende Juli gezeigt wird. Neben Gastgeberin Gerlinde Buddrick (Installationen) und Kemmerich werden sich auf dem einen Hektar großen Areal
eine Kunstgruppe mit ihren Arbeiten präsentieren.
Als Herwig Kemmerich im Herbst seine erste Begehung auf dem Gelände mit Gerlinde Buddrick hatte, sprang ihm sofort ein Baum- stumpf als Grundgerüst ins Auge. Erste Ideen wurden geboren, etliche Entwürfe folgten. „Der Titel ist noch nicht festgelegt“, erklärt Kemmerich, dass sein Werk zurzeit ohne Namen ist und vielleicht auch bleibt, um im Betrachter eigene Assoziationen zu wecken. Seine begehbare Skulptur sieht er als Erfahrungsraum. „Oder ich nenne sie auch Chaoskonstruktion, weil sie einem chaotischen Prinzip folgt, da jedes verbaute Teil ein Unikat ist“, beschreibt der Bremer
Kettensäge trennte er die möglichst krummen Baumstämme ihrer Wuchsrichtung nach auf, „die tatsächlich schwer aufzutreiben sind“, betont Kemmerich, der fünf Eichen verarbeitete. Dabei würden quasi Vierkanthölzer entstehen, wie sie auch in Baumärkten erhältlich sind. Bei ihm sind sie jedoch absolute Einzelstücke, die als Überplattungen miteinander verbunden und verschraubt werden. „Nur suche ich mir für jede Stelle den passenden Strich, die passende Leiste aus“, verdeutlicht der Bildhauer, der seine Vorarbeit als  „Strichsammlung“ bezeichnet. „Eigentlich für mich wie eine die auch etwas mit Landschafts-malerei zu tun hat.“ Bei seiner Bauweise bemühte er sich, „möglichst irrationale Bewegungen herzustellen, also eine Dynamik, die dementsprechend wenig mit der Bauökonomie zu tun hat“, bemerkt Kemmerich lächelnd. Ihm gehe es darum, die gewohnten Prinzipien auf den Kopf zu stellen und so eine Dynamik zu erschaffen, „die möglichst nicht der Sehgewohnheit entspricht“. Autorin: Christa Bechtel 27. 04. 2011
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